Nachlese : Niedersächsische Amateurtheatertage 2015 auf Baltrum

17.05.2015
Nachlese zu den Amateurtheatertagen auf Baltrum vom 30.04. - 03.05.2015

 

Ein turbulentes Wochenende mit einem riesigen Theaterprogramm ist am Sonntag 03. Mai 2015 zu Ende gegangen. Die fünften Theatertage des Landesverbandes der Niedersächsischen Amateurbühnen in Folge fanden vom 30. April bis zum 3. Mai auf der kleinsten Ostfriesischen Insel statt.

 

Alle zwei Jahre treffen sich die Theaterbegeisterten aus Niedersachsen und darüber hinaus, um ihre Produktionen vor einem kundigen Publikum zu präsentieren, zu fachsimpeln und sich auszutauschen. Das Event zieht darüber hinaus auch viele Gäste und Einheimische in den Bann.

 

Den Auftakt machte am Donnerstag Abend die gastgebende Inselbühne Baltrum mit "Der Schimmelreiter" von Paul Barz nach der Novelle von Theodor Storm. Um es kurz zu machen - die Inselbühne beendete die Theatertage auch. Am Sonntagmittag präsentierte sie "Der Schimmelreiter" noch einmal, nämlich in der Vierminutenfassung von Beate Kruse und Denis Metz als spritziges Schattentheater.


Dazwischen gab es alles, was Theater kann: Stücke, die zum Lachen und Schmunzeln waren, Stücke zum Nachdenken, Humoristisches, Tiefgründiges... von jedem Genre etwas.
Die Freie Bühne Braunschweig gab am Freitag Morgen das Theaterkabarett "Gretchen 89ff" von Lutz Hübner und zeigte an einer einzigen Szene aus Goethes „Faust“ (Seiten 89 fortfolgende), wie verschieden die Auffassungen von Regisseuren und Darstellern sein können und was dabei heraus kommen kann.


Starken Tobak hatte die Theatergruppe Barwedel mit "Rechts vor Links" von Thorsten Böhner und Dirk Salzbrunn im Gepäck. Dem Publikum blieb am Mittag zuweilen manch Lacher im Halse stecken.

 

Mit "Liebeslust und Wasserschaden" gab es nachmittags Klamauk in drei Akten vom Altstadt-Theater Hornburg, bei denen die Freunde des Boulevards auf ihre Kosten kamen.


Die Spielbühne Lingen zeigte "schräge Szenen eines Fernsehsenders": "ZVT - Wir zeigen's Ihnen" hieß ihre Eigenproduktion, die bitterböse die Macharten und Machenschaften eines erfundenen TV-Senders auf die Schippe nahm.


Ein abendfüllendes Programm gab es mit "Doppeltes Spiel - oder eine Nacht in Filmen" von Gabie Blum und Peter Kaempfe. Die Theatergruppe Lampenfieber im Forum Bomlitz (Lafibo) zeigte in einer Drei-Personen-Komödie (weibliche Hauptrolle, männliche Hauptrolle, Pianistin) die wichtigsten Szenen aus Hollywoods "Schwarzer Serie" in atemberaubendem Temperament und Spielfreunde. Freunde des Filmtheaters dürften besonders viel Vergnügen gehabt haben.


Der Sonnabendmorgen startete mit einem konzentrierten Stück: "Die Frau vom Meer" in der Theaterfassung von Susan Sonntag nach dem gleichnamigen Stück von Henrik Ibsen. Das "erste unordentliche Zimmertheater" aus Osnabrück beeindruckte mit großartiger Schauspielkunst und unübertriebener Ernsthaftigkeit den sehr gut gefüllten Theatersaal.


Ein schöner Kontrast dazu war "Hokuspokus" von Curt Goetz. Der Bühnenklassiker in der Fassung der Schaumburger Bühne vergnügte das Publikum in jeder Hinsicht und war ein großer Spaß am Samstag Nachmittag.


"Sketche, Sketche, Sketche" gab es am frühen Abend vom Premiere Amateurtheater und dem Seniorentheater Wundertüte aus Braunschweig, die abwechselnd mit ihren selbst erarbeiteten Szenen großen Charme verbreiteten und viele Lacher und viel Applaus ernteten.


Die "5te Dimension" war zum fünften Mal mit auf Baltrum und wie immer Garant für eines der Highlights der Theatertage: Mitreißendes Improvisationstheater vom Feinsten gab es am Samstag Abend, bevor die Zuschauer in die Nacht zur Theaterfete ins Strandcafé entlassen wurden.


"Die Feudalen" hatten die ganzen Tage über schon für Aufsehen am Hafen, auf der Straße, auf dem Dorfplatz und am Strand gesorgt - am Sonntag Morgen durften die drei Damen aus Cuxhaven endlich auf die Bühne, um ihre am eigenen Leib gesammelten Erfahrungen auf höchst kurzweilige Weise zu präsentieren: "Sonne - Strand - Meer" bzw. "Baltrumer Urlaubskatastrophen“...


Die Teilnehmer des besonderen Seminars "Weniger ist mehr? Nein! Mehr ist mehr" hatten es zum Ende der Matinée am Sonntag Vormittag mit der Präsentation "ihrer Kunstfigur" dann nicht mehr so ganz leicht, das nach der Fetennacht möglicherweise übermüdete Publikum im Saal zu fesseln und ihr Anliegen herüberzubringen.


Nach dem Schatten-Schimmelreiter der Inselbühne, fröhlichen Abschiedsworten und dem Versprechen auf ein Wiedersehen und die nächsten Theatertage in 2017 ging es dann aber gut gelaunt für die Theaterbegeisterten nach Hause.

 

Sabine Hinrichs

Inselbühne Baltrum

 

Foto: Herzlicher Empfang zu den Theatertagen auf Baltrum